architecture · 2025 · Berlin Tempelhof
Berlin BOX
Eingeschossige Supermärkte nehmen in Großstädten wertvollen Raum ein, der aufgrund der Wohnungsnot besser genutzt werden muss. Die Berlin BOX ist ein innovativer Entwurf für genossenschaftliches Wohnen über einem Supermarkt in Holzbauweise. Der Entwurf verfolgt das Ziel, ein zukunftsorientiertes, nachhaltiges und wirtschaftliches Gebäude zu schaffen, das die Gemeinschaft stärkt.
Konzept
Das Gebäude gliedert sich in eine zweigeschossige Basis und drei Wohntürme, die nach Osten hin größer werden und von drei auf fünf Stockwerke ansteigen. Alle Zugänge der Berlin BOX sind straßenseitig angeordnet und schaffen eine klare Adressbildung. Unten fördern öffentliche Nutzungen den sozialen Austausch, in der Mitte bieten Clusterwohnungen und Gemeinschaftsflächen Raum für Gemeinschaft und nach oben entsteht eine zunehmend private Wohnatmosphäre mit Basiswohnungen ab dem vierten Obergeschoss.
Konstruktion
Der Entwurf kombiniert eine zweigeschossige Holzskelettbauweise, um einen möglichst stützenfreien Grundriss des Supermarktes zu ermöglichen, mit einer Holzmodulbauweise. Die Treppenhäuser sind als aussteifende Elemente in Stahlbeton ausgeführt.
Aufbau
Ab dem zweiten Obergeschoss besteht das Gebäude aus 193 gleich großen Boxen, die flexibel auf die ungerichtete Holzskelettkonstruktion aufgesetzt werden können. Durch die modulare Bauweise hat das Gebäude einen sehr hohen Vorfertigungsgrad, kann flexibel skaliert werden und passt sich der jeweiligen Grundstückstiefe an.
Grundriss EG
Der Supermarkt ist zur prominenten Seite des Bahnhofs Tempelhof ausgerichtet. Kunden können den Supermarkt sowohl von der Straße als auch vom angrenzenden Kundenparkplatz betreten. Das Gebäude ist hier zurückversetzt, um einen überdachten Bereich für Parkplätze, Fahrräder und Einkaufswagen zu schaffen. Von dem dahinterliegenden, eingeschossigen Eingangsbereich aus werden die Kunden gezielt durch den großzügigen Verkaufsraum geführt, wobei der Kassenbereich am Ende des Rundgangs liegt. Die Warenanlieferung erfolgt über eine von der Straße erreichbare, höhengleiche Lade Rampe, die vollständig in das Gebäude integriert wurde, um die Lärmbelastung zu reduzieren. Neben dem Supermarkt umfasst das Erdgeschoss auch öffentliche Bereiche wie eine Tauschbibliothek und ein Café. Diese Nutzungen fördern den sozialen Austausch und schaffen lebendige Treffpunkte für die Nachbarschaft.
Grundriss 1OG
Im ersten Obergeschoss befinden sich die Bereiche des Supermarktes, die nicht zwingend im Erdgeschoss untergebracht sein müssen. Hier finden sich unter anderem Büros, Umkleiden und Aufenthaltsräume für die Supermarktmitarbeiter. Die Tauschbibliothek und das Kaffee werden hier ebenfalls fortgeführt, wobei Galerien für interessante Blickbeziehungen sorgen. Über dem Supermarkteingang und den überdachten Parkplätzen befindet sich ein Fitnessstudio mit Sauna, das von den Bewohnern kostenfrei mitgenutzt werden kann. Auf diese Weise dient das Fitnessstudio der Gemeinschaft, bleibt jedoch gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig.
Grundriss 2OG
Das zweite Obergeschoss bildet mit seinen gemeinschaftlich genutzten Bereichen den zentralen Treffpunkt für die Bewohner. Ein großzügiger Gemeinschaftsbereich, der von einer weitläufigen Dachterrasse umspült wird, schafft einen lebendigen Raum für Begegnung und Austausch. Hier befinden sich ein Waschraum, ein Versammlungsraum sowie flexibel nutzbare Optionsräume, die je nach Bedarf für unterschiedliche Zwecke genutzt werden können. So wurden unter anderem ein Jugendraum, ein Musikzimmer und Werkstätten als optionale Nutzungen vorgesehen. Die Dachterrasse lädt mit den Staudenbeeten, einer Rasenfläche und Terrassen zum gemeinschaftlichen Entspannen, Essen oder Spielen ein. Um die Fläche effizient zu nutzen, wird nicht das gesamte Geschoss für Gemeinschaftsbereiche vorgesehen, weshalb im westlichen und östlichen Wohnturm bereits das Clusterwohnen beginnt.
Clusterwohnen
Diese Wohnform richtet sich an Menschen, die ein gemeinschaftliches Zusammenleben bevorzugen. Der Gemeinschaftsbereich der Clusterwohnungen ist ein großzügig gestalteter Raum, der als zentraler Treffpunkt für alle Bewohner einer Einheit dient. Herzstück ist eine moderne Kücheninsel mit einem großen Esstisch, an dem gemeinsam gekocht und gegessen wird, ergänzt durch einen hellen und offenen Wohnbereich.
Grundriss 3OG
Das dritte Obergeschoss ist vollständig dem Clusterwohnen gewidmet. Die Wohnungen werden direkt über das Treppenhaus erschlossen und verfügen über einen großzügigen Gemeinschaftsbereich, in dem gemeinsam gekocht gegessen und gewohnt wird. Die privaten Wohneinheiten sind etwas kompakter und mit einer kleinen Teeküche ausgestattet. Die westlichen Clustereinheiten verfügen über einen flexibel nutzbaren Bereich, der von zwei Wohnungen gemeinsam genutzt oder einer Wohnung zugeordnet werden kann. So können zum Beispiel ein Senior und eine Familie diesen Bereich gemeinsam nutzen, Aufgaben teilen und durch die offene Struktur enger zusammenwachsen. Bei steigendem Platzbedarf besteht zudem die Möglichkeit, zwei Einheiten zu einer großen Wohnung zu verbinden, sodass auch eine Familie mit drei Kindern ausreichend Platz hat. Im östlichen Wohnturm verteilen sich die Gemeinschaftsflächen auf einen Koch- und Essbereich sowie einen breiten Wohnflur.
Basiswohnen
Basiswohnen ist eine klassische Wohnform für Menschen, die mehr Privatsphäre wünschen, aber dennoch Teil der Gemeinschaft sein möchten. Die Basiswohnung bietet Platz für eine großzügige Küche mit angrenzendem Essbereich in unmittelbarer Nähe zum Laubengang. Hinter einer halbhohen Wand schließt sich ein Wohnbereich an, der eine Rückzugsmöglichkeit bietet, ohne von der offenen Raumstruktur abgeschnitten zu sein.
Grundriss 4OG
Ab dem vierten Obergeschoss beginnt das Basiswohnen. Diese Standardwohnungen werden sowohl über das Treppenhaus als auch über den Laubengang erschlossen und zeichnen sich durch eine funktionale Raumaufteilung aus. Jede Wohnung verfügt über einen großzügigen, offen gestalteten Koch- und Essbereich, der nahtlos in einen Wohnbereich übergeht. Hinter einer halbhohen Wand entsteht ein Rückzugsort, der dennoch Teil der offenen Raumstruktur bleibt. Die Schlafräume sind großzügig geschnitten und bieten viel Platz für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten.
BOX 1
Die Laubengangbox verbindet alle Wohneinheiten eines Geschosses, wird von den angrenzenden Wohnungen bespielt und ist für alle Bewohner zugänglich. Sie dient als Treffpunkt und Aufenthaltsraum und ist so konzipiert, dass die Falttüren im Sommer vollständig geöffnet und in den kälteren Jahreszeiten geschlossen werden können, wodurch eine ganzjährige Nutzung möglich ist.
BOX 2
Die Wohnbox ist das zentrale Modul der Wohnungen und kann je nach Bedarf mit einem Bad oder einer Küche ausgestattet werden, die bereits vor der Anlieferung eingebaut sind. Je nach Grundriss kann die Box mit Trennwänden versehen werden oder dank der tragenden Stützen ganz ohne Wände auskommen. So können durch das Aneinanderreihen der Boxen großzügige Räume entstehen.
BOX 3
Die Balkonbox bildet den südlichen Abschluss zum Bahnhof Tempelhof. Aufgrund der erhöhten Lärmbelastung ist sie mit zwei hintereinander liegenden Schiebetüren ausgestattet, die besonders nachts als Lärmschutz dienen. Diese Konstruktion ermöglicht eine Nutzung als Balkon, Wintergarten oder Erweiterung der Wohnfläche und passt sich somit jeder Situation an.
Tausch Bibliothek
Die Tausch Bibliothek befindet sich im Erdgeschoss und wird im ersten Obergeschoss fortgeführt, wo eine Galerie für interessante Blickbeziehungen sorgt. Die Tausch Bibliothek hat gemütliche Sitzmöglichkeiten, ein großes Bücherregal sowie weitere Study-Spaces. Die Bibliothek dient der Gemeinschaft und ermöglicht einen Austausch mit der Nachbarschaft.
Laubengang
Der Laubengang ist das verbindende Element aller Wohnungen und bietet mit seinen Falttüren maximale Flexibilität. Dieser lebendige Ort lädt zum Unterhalten, Arbeiten, Spielen und vielem mehr ein.
Fassade
Die vor- und zurückspringende Form der Fassade erzeugt ein interessantes Licht- und Schattenspiel, schafft mehr Privatsphäre und bricht die strenge Geradlinigkeit der Modulbauweise auf. Aufgrund der Langlebigkeit, der Witterungsbeständigkeit und des geringen Wartungsaufwandes wurde hierfür Aluminium gewählt.
Modellfoto
Das Modellfoto verdeutlicht nochmals die Aufteilung in drei Wohntürme und die gewerbliche Basis sowie die Verbindung der Türme mit Brücken. Auf dem extensiv begrünten Dach findet sich Platz für Solaranlagen, welche die Bewohner mit lokalem Strom versorgen.
Pläne & Visualisierungen
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Konzept – Volumetrie und Türme -
Grundrisse – EG bis 4. OG -
Schnitte und Fassaden -
Perspektive – Straßenebene -
Stadtkontext – Bahnhof Tempelhof