architecture
Dritter Ort
Ein Dritter Ort ist ein Raum, der weder dem Zuhause noch dem Arbeitsplatz zugeordnet ist, sondern Begegnung und Gemeinschaft ermöglicht. Der Neubau erweitert den Open Place um offene, flexible Räume, die vielfältige Nutzungen fördern und das Quartier als lebendigen Treffpunkt stärken.
Lage
Der Open Place in Kreuzlingen ist ein Begegnungszentrum der Evangelischen Kirchgemeinde im ehemaligen Dorfkern von Kurzrickenbach. Seit 2014 heißt er Menschen aller Hintergründe willkommen und bietet ein Café, eine Kleiderbörse, ein Kunstatelier sowie Bildungsangebote. Über die Initiative VerwertBar werden Lebensmittel verteilt, um Food Waste zu vermeiden. Der Open Place ist ein offener Raum für Austausch.
Konzept
Der Entwurf ergänzt als dritter Ort das Ensemble des Open Place und bildet mit Haus Weisser und Bleiche sowie Kirche und Kaffeehaus eine Struktur aus drei Einheiten. Der Neubau an der Seetalstraße stärkt den Open Place als lebendigen Mittelpunkt im Quartier und schafft einen offenen und vielseiteigen Raum für Begegnung. Die Plätze zwischen den Einheiten sind durch Schwellenräume verbunden.
Offene Bank
Die multifunktionalen Open Benches sind im öffentlichen Raum verteilt und spiegeln sowohl die Materialität als auch die Nutzungsvielfalt des dritten Ortes wider. Sie dienen nicht nur als einladende Sitzgelegenheiten, sondern informieren auch über den Open Place und tragen seine Idee sichtbar nach außen. Auf dem neu gestalteten Gelände des Open Place verdichten sie sich und tragen zu einem offenen Raum der Begegnung bei.
Die Bank
An wichtigen Stellen platziert bringt die Open Bench den Open Place in den öffentlichen Raum. Ihre flexible Gestaltung lädt zum Sitzen ein, zum gemeinsamen Essen oder für Märkte, und kann auch als Hochbeet genutzt werden. Mit einem Stahlbehälter ausgestattet, lässt sich die Bank mit Obst, Gemüse und Kräutern bepflanzen und schafft so eine lebendige Verbindung von Natur und Gemeinschaft.
Grill Nahaufnahme
Dank der höhenverstellbaren Einsätze können zwei Module zwischen die Stampfbeton Blöcke geschoben werden. Dadurch lässt sich die Open Bench ganz einfach in einen Grill verwandeln, indem eine Grillschale und ein Rost eingesetzt werden. So wird die Bank zum vielseitigen Treffpunkt, zum Sitzen, Gärtnern oder Grillen.
Raumhaltige Wand
Das Prinzip der Open Bench findet sich auch im Neubau wieder. Die raumhaltige Wand beherbergt verschiedene Nutzungen, die flexibel kombiniert werden können: Der Wandschrank dient als Aufbewahrungsfläche und Bücherregal. Die Tischnische bietet einen Arbeitsplatz, der durch ein Fenster mit natürlichem Licht versorgt wird. Für die Sitznische kann der Schreibtisch tiefer gesetzt werden, um mehr Komfort zu schaffen. Die kompakt gestaltete Küchennische verbindet Arbeitsfläche und Stauraum auf effiziente Weise. Leitungen, Kabel und Lüftung sind bewusst sichtbar und leicht zugänglich, um Wartung und Reparaturen unkompliziert zu ermöglichen.
Stampfbeton
Der Baukörper besteht aus schwerem Stampfbeton, der mit Erde aus der Umgebung vermischt wurde. So entsteht eine robuste und schützende Hülle, die gleichzeitig den Charakter des kirchlichen Ensembles unterstreicht. Die Innenwände sowie Decken und Dach sind aus Brettsperrholz gefertigt.
Dritter Ort
Mit seiner offenen Architektur schafft der Neubau eine fließende Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich. Auf zwei Geschossen entsteht ein multifunktionaler Raum, der ganz unterschiedliche Nutzungen vereint. Die räumliche Flexibilität ermöglicht es, Aktivitäten miteinander zu verschränken, zeitlich zu überlagern und auf sich wandelnde Anforderungen einzugehen. So entsteht ein Ort, der von verschiedenen Gruppen gleichzeitig genutzt werden kann: vom Open Place selbst, von der Schule, von der Nachbarschaft und vom gesamten Quartier.
Lageplan
Die lärmbelastete Bleichestraße wird durch einen gestalteten Schwellenraum entschärft, der Besucher behutsam in die neue Platzabfolge führt. Unter einem schützenden Dach entsteht eine neue Bushaltestelle. Vom Kirchweg führt eine neue Achse zu einem ruhigen Platz zum Verweilen und Kaffeetrinken. Hinter der Kirche verwandelt die Anordnung der Open Benches den Kiesplatz in einen lebendigen Marktplatz. Zwischen Neubau und Kirche liegen zwei Plätze: ein Gemeindeplatz zum Grillen, Feiern und für Versammlungen sowie ein parkähnlicher Friedhof mit Gemeinschafts-, Baum-, Stauden- und Urnengräbern. Die verschiedenen Bereiche sind durch Schwellenräume verbunden, die Nutzungen sanft miteinander verweben und Besucher Schritt für Schritt führen.
Grundriss oben
Der obere Grundriss umfasst vielfältige Räume, die unterschiedliche Bedürfnisse und Funktionen vereinen. Der Raum für Andacht bietet einen ruhigen Rückzugsort für Stille, Einkehr und persönliche Gespräche. Das Lager ist funktional gestaltet und beherbergt die Geräte zur Pflege des Friedhofsparks. Der Bereich Obdach empfängt Gäste und Bedürftige mit einem offenen Lichthof, der als freundlicher Ort des Ankommens dient. Ergänzt wird das Angebot durch die Küche und den Versammlungsraum, die gemeinschaftliches Kochen, Essen und Zusammenkommen ermöglichen. Ein Raum der Begegnung und Gemeinschaft.
Grundriss unten
Der Grundriss im Erdgeschoss bietet vielfältige Räume, die Begegnung, Kreativität und Lernen fördern. Der Jugendraum dient als Treffpunkt und Austauschort für Jugendliche. Die VerleihBAR ist ein Raum, in dem Gegenstände ausgeliehen werden, um nachhaltigen Konsum zu unterstützen. Die Werkstatt lädt zum Gestalten, Reparieren und kreativen Schaffen ein. Das Atelier und das Klassenzimmer bieten Raum für kreative Entfaltung und gemeinsames Lernen. Die Bibliothek schließlich ist ein Ort des Wissens, der Ruhe und des konzentrierten Lernens.
Perspektive
Der Baukörper ist klar gegliedert und setzt sich sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss aus jeweils vier funktional und räumlich klar definierten Einheiten zusammen. Für die vertikale Durchlässigkeit sorgt eine Treppe, die vom neu gestalteten Platz des Open Place sanft ins Erdgeschoss führt. So entsteht eine nahtlose und direkte Verbindung zwischen Innen- und Außenraum sowie zwischen den beiden Ebenen.
Ansicht Nord
Die Nordansicht zeigt eine gegliederte Fassade mit vertikalen Fenstern, die zusammen mit der breiten Außenwand raumhaltige Nischen bilden. Dadurch wirkt die Fassade ruhig und ausgewogen und betont die Gliederung in vier Baukörper.
Schnitt
Der Schnitt zeigt die Offenheit des Gebäudes mit seinen Innenhöfen. Ein zweigeschossiger Innenhof verbindet Ober- und Untergeschoss des langgestreckten Baukörpers. Auch im Bereich des Obdachs sorgt ein Innenhof für angenehmes Tageslicht von oben und bietet zudem zusätzliche Privatsphäre.
3 Tafel Projektion
Der Dachaufbau setzt sich aus einer wasserdichten Dachbahn, einer Gefälledämmung sowie einer Holzfaserdämmung zusammen. Eine Dampfsperre schützt die Konstruktion, während eine fünf-lagige Brettsperrholzdecke für Stabilität und Wärme sorgt. Die Decke besteht aus mehreren Schichten: einem Zementestrich, einer Trennlage, Trittschalldämmung, einer Installationsebene und ebenfalls der mehrlagigen Brettsperrholzdecke. Die Wände sind aus Stampfbeton gefertigt, wobei die tragenden Elemente durch Abdichtung und Wärmedämmung ergänzt werden.
Schnittmodell
Im Schnittmodell werden die Materialien realistisch dargestellt. Die Stampfbetonschichten wurden mit Beton in unterschiedlichen Pigmentstärken gegossen, um die verschiedenen Schichten sichtbar zu machen. Die Dämmschicht ist weiß gehalten, während der Bodenbelag aus mit Kaffee eingefärbtem Gips besteht, der den erdfarbenen Estrich repräsentiert. Die Ausbauten sowie Decken und Dach sind aus Holz gefertigt.
Licht
Der Entwurf integriert verschiedene Lichtsituationen. Tageslicht gelangt durch schmale, hohe Fenster über die gesamte Raumhöhe ins Gebäude. Um auch die hinteren Bereiche zu beleuchten, wurde dort, wo das Gebäude im Erdreich liegt, ein Lichtschlitz geschaffen, der das Licht sanft an den schrägen Stampfbetonwänden nach unten fallen lässt und so für eine angenehme, gleichmäßige Beleuchtung sorgt. Zusätzlich ermöglicht eine Enfilade aus Türen, die unteren Räume miteinander zu verbinden und noch mehr Licht in die Innenräume zu bringen.
Innenraum
Der Innenraum ist geprägt vom spannungsvollen Kontrast zwischen den massiven Stampfbetonwänden und dem warmen, leichten Holz. Das massive Mauerwerk zur Erdreichseite bietet Raum für Nischen, die Rückzugsmöglichkeiten schaffen oder als Regale genutzt werden können.
Booklet
Während des gesamten Planungsprozesses wurden fortlaufend neue Erkenntnisse gewonnen, die den Entwurf immer wieder weiterentwickelten und verfeinerten. Diese Zwischenschritte sowie der gesamte Projektverlauf sind in einem Booklet dokumentiert. Dort wird anschaulich, wie sich das Konzept aus den spezifischen Bedürfnissen vor Ort heraus entfaltet hat
Gespräche
Die vier Table Talks bildeten einen zentralen Bestandteil des Projekts. In diesen moderierten Gesprächen kamen Vertretern aus dem Quartier, der Nachbarschaft, der Schule und dem angrenzenden Friedhof zusammen, um ihre Perspektiven, Wünsche und Anliegen zu teilen. Ziel war es, ein gemeinsames Verständnis für die Anforderungen an den neuen Ort zu entwickeln. Dabei wurden nicht nur positive Ideen, sondern auch Herausforderungen und Spannungen offen diskutiert. Die Table Talks ermöglichten einen wertvollen Austausch, der die Planung entscheidend beeinflusst und das Projekt eng mit den Bedürfnissen der Gemeinschaft verbunden hat.
Pläne & Visualisierungen
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Lage -
Grill Nahaufnahme -
Lageplan -
Ansicht Nord -
Licht -
Gespräche